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Vor über hundert Jahren waren an der Stelle des heutigen Lokals
drei kleine Herbergen zu finden, die im Jahre 1900 zunächst einem
vierstöckigen Wohnhaus weichen mussten. Im Parterre des neuen Hauses
wurde in Tradition der drei Herbergen von Begin an eine kleine Gaststube
mit dem Namen „Burgstüberl“ eingerichtet.
Eine Burg und somit ein Burgstüberl gab es natürlich nicht.
Da die Strasse und das Lokal aber nach Graf Hans Erasmus von Tattenbach
(* 3.2. 1631, † 1.12. 1671, Graz) benannt war, der 1671 als habsburgerfeindlicher
Hochverräter vor dem Grazer Rathaus hingerichtet worden ist, wird
gemutmaßt, dass das „Burgstüberl“ mit der Burg
des Grafen Tattenbach in der Unter-Steiermark in Verbindung steht, welches
er damals unter den Schutz der Göttin Diana stellte.
Einen Zusammenhang mit Graf Tattenbach, seinem Schloss und unserem Lokal
ist nach so langer Zeit leider nicht mehr nachzuweisen, die Schutzgöttin
Diana nehmen wir für die Tattenbach Straße und unser Lokal
aber natürlich trotzdem gerne in Anspruch :-)
Zurück zur Geschichte: Das „Burgstüberl“ war damals
ein Weinlokal in einer Biergegend, in der statistisch gesehen jeder Bürger
nahezu eine Maß pro Tag trank. Nichtsdestotrotz florierte das Lokal-Leben
und nach dem ein oder anderen Gläschen Wein bestand anscheinend
auch noch Bedarf. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte sich das „Burgstüberl“ -
trotz tatkräftiger Hilfe von Animierdamen – nur schwer über
die Runden retten. Und so kam es, das Helene Lang die Geschäftsführung übernahm
und mit reichlich Kontakten in die Künstler-Szene das Lokal wieder
füllte.
Bei der „Langin“ waren Musiker wie der Wagnerhero Franz Völker
und Julius Patzak gerne bereit, für das nicht minder berühmte
Publikum von Therese Giehse über Otto Falkenberg, bis zu Rudolf
Forster, ein spontanes Ständchen am Flügel zu singen und bei
Bedarf auch Arien zu schmettern. Dies war dann meist von der Attraktivität
der zu beeindruckenden Dame und dem –Weinkonsum abhängig.
Auch der Militär- und Wies`nkapellmeister Max Pfahler konnte sehr
erfolgreich an die Tradition der „Langin“ anknüpfen,
als er das in „Altdeutsche Weinstube“ umbenannte Lokal 1940 übernahm.
Der zweiten Weltkrieg und die Luftangriffe auf München haben Ihre
Spuren in der Holzvertäfelung bis zum heutigen Zeitpunkt hinterlassen,
aber das rege Treiben in der Kneipe ansonsten wenig beeinflusst. Das
Repertoire von Künstlern wurde durch Schriftsteller, wie z.B. Hans
Carossa und Ernst Jünger, ergänzt, die Leseproben ihres Könnens
zum Besten gaben.
1964 wurden die Räume renoviert und umgestaltet, die Gastlichkeit
und das prominente Treiben ging jedoch danach rege weiter. Seit über
100 Jahren ist das jetzige "Tattenbach" den Münchnern
nun schon ein Begriff. Das älteste Lokal im Lehel steht daher unter
Denkmalschutz und ist seit langem nahezu unverändert.
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